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OKTOBER 2005 /
KULTUR
Ornamentalik
Chaos des Sujet´s - Pedanterie der Form - Bilder von Ádám Würtz jr. in Wien
Wenn man Kunst nur anstarrt, und dabei Interpretation vermeidet, verkommt sie
schnell zum Ornament. Werden dann aber Ornamente umgekehrt durch Interpretation zur Kunst? Wo, zwischen Dekorativem und Künstlerischem, die Bilder
von Ádám Würtz jr. einzuordnen sind, hat sich für uns nicht entschieden. Sie sind jetzt und noch bis Ende Oktober im Wiener Collegium Hungaricum zu sehen und
gaben bei der Vernissage auch dem anwesenden Kurator von der Wiener Kunsthalle vor weitgehend abwesendem Publikum die Gelegenheit ein Kunststück
fertigzubringen: möglichst engräumig Bewertungen im Hinblick auf das Oeuvre zu umschiffen, sich in einen neurowissenschaftlichen Exkurs wie in einen rettenden
Hafen zu flüchten und dabei große Zitate großer Männer als Schwimmwesten zu nutzen.
Wir sehen Chaos im Sujet und Pedanterie in der Form. Ádám Würtz jr., der Senior
ist Ungarn als Graphiker und Buchillustrator wohl bekannt, gründete 1991 in seiner Heimat die buddhistische Kirche und hat - so könnte man meinen - fast mehr
Mitgliedschaften in Künstlervereinigungen als Werke vorzuweisen. Dies ist ein Hinweis. So erschließt sich dem Betrachter vielleicht die Formenwelt und
Farbenpracht der Werke aus der Biographie des Künstlers. Wo aber die berühmte buddhistische Simplizität, ja Askese auf der Strecke geblieben ist, erfährt der
Betrachter nicht. Hier geht es wohl tief-, oder sagen wir, abgründiger zu. Vielleicht ein Crash exzistentialistischer Fragestellungen mit den Totems einer ostasiatischen
Formen- und Farbenwelt oder - je nach Auge des Betrachters - mit den Serviettenmustern eines Tex-Mex-Restaurants.
Was ist noch Stil, was schon Spleen, was ist Ausdruck, was nur noch Pose? Wir wissen
es nicht, weder beim Betrachten der Bilder noch des Künstlers. Ebenso wie man einem Werk, wenn man möchte, fast alles unterstellen kann, könnte man ihm auch
alles absprechen. Um die Anmaßung zu umgehen, das Urteil über die Frage nach Kunst oder Ornamentik selbst sprechen zu müssen, stellen wir hier neben viel
anderem Schein eine scheinbare Einheit zwischen Kunst und Künstler fest und nennen beides Ornamentalik.
Der findige Autor der Kunsthalle ankerte am Ende in der Feststellung, daß Würtz
gemeinsam mit Dalí und einigen anderen Größen zu einer "illustren" Familie gehöre. Schließen wir uns ihm an, wohlwissend, daß die Verwandtschaft keiner freiwilligen
Wahl unterliegt und es immernoch besser ist, ihn in solcher Obhut zu sehen, als daß er unkontrolliert eine eigene Künstlerfamilie gründe. Und so gesellt sich Herr Würtz
jr. ganz sicher zu diesen Unsterblichen als einer der - mit Heine gesprochen - ebenfalls unsterblich sein wird, zumindest, solange er lebt.
M.S.
Imagine Bilder von Ádám Würtz Jr., bis 21. Oktober im Collegium Hungaricum Wien, Hollandstr. 2
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