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MÄRZ 2006 / POLITIK
Vereint gegen Atomlobby
Ost-West-Allianz gegen Atomrenaissance - 1 Million Unterschriften gegen Atomkraft
Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Tschechien, Slowakei und Ungarn hat Mitte Februar
die österreichische Umweltorganisation GLOBAL 2000 eine „Ost-West-Allianz“ gegen die "Atomrenaissance" in Europa begründet. Denn trotz der bekannten
Risiken der Atomkraft versucht nach Aufassung dieser Nichtregierungsorganisationen die Atomlobby im vermeintlichen Rückenwind hoher Energiepreise und der Klimadiskussion ein Comeback in Europa.
„Mit der heute begründeten Allianz möchten wir dem grenzüberschreitenden Widerstand gegen den Ausbau der Atomkraft weiteren Auftrieb verleihen. Europa darf nicht in Zeiten zurückfallen, als den
Versprechungen der Atomindustrie blind geglaubt wurde. AKW sind heute genauso gefährlich wie vor 20 Jahren, als die Reaktorkatastrophe von
Tschernobyl tausende Menschenleben forderte“, betont Silva Herrmann, Anti-Atomsprecherin von GLOBAL 2000 bei einem Pressegesprächin Wien. Erstes
gemeinsames Projekt ist die Unterschriftenaktion „Eine Million EuropäerInnen gegen Atomkraft“. Heute steht die Atomkraft in Europa am Scheideweg: Gelingt es den
Lobbyisten nicht, in den nächsten Jahren Neubauten und Laufzeitverlängerungen durchzusetzen, wird die Atomkraft in spätestens zwei Jahrzehnten in der
Bedeutungslosigkeit versinken. Denn mehr als 70 Prozent der Reaktoren müssten im nächsten Jahrzehnt aus Altersgründen vom Netz gehen.
Bei dem Pressegespräch berichteten die Teilnehmer aus den österreichischen
Nachbarstaaten über die dringlichsten Tendenzen in ihren Ländern. So sagte Karel Polanecky, von Hnuti Duha/Friends of the Earth in Tschechien: „In Tschechien
stehen immer noch mehr als 50 Prozent der Bevölkerung hinter der Entwicklung der Atomkraft. Gleichzeitig ist der Widerstand gegen den Bau von Atommüllager in allen
betroffenen Regionen äußerst stark. Das Wirtschaftsministerium befürwortet bis 2015 den Bau eines neuen Reaktors, der tschechische Energieversorger CEZ setzt auf
eine kurzfristige Umsetzung und möchte sofort mit dem Bau beginnen. Glücklicherweise ist eine so hohe Investition nur mit staatlichen Subventionen
durchsetzbar. Dies würde mit hoher Wahrscheinlichkeit den europäischen Regelungen für den Energiemarkt widersprechen.“
Pavol Siroky von Za Matku Zem aus der Slowakei sieht folgende Probleme: „In der
Slowakei ist das heißeste politische Thema derzeit die Privatisierung des bisherigen Monopolisten in der slowakischen Energieversorgung, Slovenske Elektrarne. Es
besteht ein großer politischer Druck der Atomlobby für den Weiterbau von Mochovce 3 und 4. Dieser aus sowjetischer Produktion der 70er Jahre stammende Reaktortyp
ist sehr unsicher und zudem teuer. Darüberhinaus steht der Rückbau von Bohunice V1 an, mit Sicherheit eine der größten atomaren Zeitbomben in der Slowakei.
Ebenfalls bedeutsam ist die Frage der Lagerung des Atommülls. Immer noch gibt es keinen Plan, was mit dem Müll geschehen soll, wer dafür verantwortlich sein wird, und wieviel es kosten wird.“
Robert Fidrich von Friends of the Earth in Ungarn meint schließlich: „Wir sind
äußerst besorgt, da die Laufzeitverlängerung für das AKW Paks ohne eine vollständige und ordnungsgemäße Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne
Bürgerbeteilung erfolgt ist. Wir sehen die europäische Unterschriftenaktion „Eine Million EuropäerInnen gegen Atomkraft“ als eine Chance für eine intensive
Zusammenarbeit der europäischen NGOs und für die Durchsetzung des Willens der Mehrheit der europäischen Bevölkerung, der Beendigung der Atomkraft und der Einstieg in eine erneuerbare Zukunft“.
(Pester Lloyd, Wien)
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