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MÄRZ 2006 / POLITIK
Ostgeschaeft.com
Neues Portal für öffentliche Ausschreibungen in Osteuropa
Über 80 Prozent aller öffentlichen Ausschreibungen europaweit liegen unterhalb
sogenannter EU-Schwellenwerte, was unter anderem bedeutet, daß sie lediglich in Landessprache und im Inland veröffentlicht werden. Damit haben gerade kleine und
mittelständische Betriebe (KMU´s) aus dem Ausland, die eher von zahlreichen Kleinaufträgen als dem einen „großen Coup“ leben, relativ schlechte Chancen an diese zu gelangen.
Wenn man aber weiß, daß diese Schwellenwerte zum Beispiel bei Bauaufträgen über
5 Mio EUR betragen, bei Dienstleistungen und Lieferaufträgen um 250.000 EUR, dann läßt sich erahnen, welch großer Kuchen, aufgeteilt in kleinere Häppchen zu
holen wäre, wenn es cleveren Mittelständlern gelänge, Sprache- und Bürokratiehürden in den neuen Mitgliedsländern einfacher zu überwinden.
Das Land Niederösterreich hat in Kooperation mit den Wirtschaftsförderungsbüros
ecoplus und den Unternehmern Reisner und Eichstädter aus Oberwaltersdorf nun ein Geschäftskonzept entwickelt, daß diese Hürden überspringen helfen soll. Das neue Internetportal www.ostgeschaeft.com, macht diese Ausschreibungen erstmals in deutscher Sprache zugänglich. Es übersetzt also zum ersten Mal Ausschreibungen aus
Osteuropa unterhalb der EU-Schwellenwerte und ermöglicht somit an der breiten Masse der Aufträge teilzuhaben.
Zunächst sind die Länder Tschechien und Slowakei mit jeweils rund 800
aktuellen Ausschreibungen in der Datenbank vorhanden. Doch auf Nachfrage teilte uns das Unternehmen mit, daß bereits innerhalb des nächsten Viertel Jahres auch Ungarn hinzukommen wird. In weiteren
Schritten sollen auch Polen und Slowenien folgen, danach die Noch-Kandidaten Rumänien, Kroatien und andere Länder Ost- und Südosteuropas eingebunden werden.
Da es in der EU nicht erlaubt ist, inländische Unternehmen in irgendeiner Weise zu
bevorzugen, sehen die Macher für ausländische KMU durchaus Chancen auf Auftragserteilung. Dazu bietet das Portal auch ein Übersetzungsservice an, um den Prozess der Angebotslegung zu unterstützen.
Erfolgsquoten konnte uns das Unternehmen noch keine mitteilen, da das Angebot
gerade erst richtig gestartet ist. Einer der Entwickler, Martin Reisner, meint aber: „Ich weiß aus meiner beruflichen Erfahrung, dass derzeit etwa 8-10% aller
Ausschreibungen in den EU +10 derzeit an "ausländische" Unternehmen gehen. Wenn man bedenkt, dass diese sich jedoch bei Ausschreibungen unterhalb des EU
Schwellenwertes nicht bewerben, dann sehe ich darin doch erhebliches Potential, da es sich hier gerade sehr oft um Lieferungen und spezielle Dienstleistungen
handelt, bei denen die Lohnkostenunterschiede nicht unbedingt zum Tragen kommen.“
Und wie funktionierts? Der Benutzer meldet sich auf an. Das Abo kostet für das
erste Land 29.- EUR für jedes weitere 15.- EUR / Monat (Mindestdauer 180 Tage). Auch die Möglichkeit eines einmonatigen Testabos besteht. Mit dem Zugang zur
Datenbank steht ihm das Ostgeschäft offen, Unterstützung bei der Dokumentenbeschaffung wird ebenfalls gewährt, nun muß nur noch das
Unternehmen selbst überzeugen, was auf den verschlungenen Pfaden öffentlicher Ausschreibungen in Osteuropa ein - wie wir wissen - sehr mühseliger, steiniger Weg mit ungewissem Ende sein kann...
(Wiener Lloyd)
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