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APRIL 2006 / KULTUR
Absätze, Literatöne und Peregrinatien
Veranstaltungen des Wiener Collegium Hungaricum im April / Mai
Absätze II
Mit „Absätze Teil II – Autorinnen aus Ungarn” wird am Mittwoch, 19. April im Wiener Collegium Hungaricum
eine kürzlich erfolgreich gestartete zweisprachige Literaturreihe fortgesetzt, die mit Ágnes Gergely und Krisztina Tóth wiederum in
ihrem Genre führende Vertreterinnen der ungarischen Literaturszene gewinnen konnte. Diese Reihe wird die Leere des weitgehenden Fehlens von ungarischen
Autorinnen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt nicht füllen, doch aber einen Anstoss geben, sich mit diesen zu beschäftigen und durch Erstübersetzungen
sozusagen einige Referenzen schaffen können, die vielleicht zu Publikationen führen.
Ágnes Gergely, die zusammen mit ihrer Mutter als einzige ihrer
Famiile den Holocaust überlebte, und auch von den neuen Machthabern antisemitischen Repressionen ausgesetzt war, wird einen Querschnitt aus dreißig Jahren Lyrik und Prosa vortragen,
erstübersetzt ins Deutsche von György Buda. Die mit den höchsten Literaturpreisen Ungarns ausgezeichnete Autorin sagt über ihr Spannungsverhältnis zwischen Profession und Stigma selbstbewußt:
„Meine Profession ist mit der ungarischen Sprache verbunden. Dessen Bewusstsein, dass meine Muttersprache Ungarisch ist, macht
mich mindestens so glücklich wie zu wissen, dass meine Religion jüdisch ist.” Die Kritik charakterisierte die Lyrik Gergelys damit, „daß der Leser oder Hörer weder
scheinheiligen Trost noch eine erhebende moralische Lehre erwarten darf. Umso mehr Haltung, Disziplin, Respekt vor der künstlerischen Form und vor dem von
Menschenhand Geschaffenen; tiefe, meistens in überraschenden Bildern manifestierende Gedanklichkeit; bitteren, jeremiadeartigen Hohn und intellektuell
verfeinerte, aus tiefen Emotionen schöpfende, mit ihren Wurzeln weit reichende Lyrik...“
Die 1967 geborene Krisztina Tóth zählt zu den bedeutendsten
Lyrikerinnen Ungarns, ihr 2001 erschienener Gedichtband „Porhó” erregte in Ungarn große Aufmerksamkeit, man sprach davon als einer der bedeutendsten literarischen Leistungen der letzten Zeit.
„Verdichtete, änigmatische Rede und eine Bilderwelt, die sich zwischen Realem und Surrealem bewegt: diese beiden Merkmale sind für den Großteil der Gedichte in diesem Band
charakteristisch. Zwischen die Grenzlinien, abgestumpft für Augen und Verstand, schwimmen immer wieder Bilder, Sätze hinein, mal ein wunderschön-dekadenter, mal ein brutales memento mori.“
(Lesen Sie hier auch den Beitrag “Absätze - auf leise Sohlen”
über den 1. Teil der Reihe)
LiteraTöne
Die „LiteraTöne” bringen, vorerst in drei Teilen, neue Musik aus Ungarn, die von
literarischen Texten inspiriert wurde, live nach Wien. Im März hörten wir zum Auftakt bereits den Großmeister des Ethno-Jazz, István Regööös mit seinem Trio.
Sie tobten sich an dem utopistischen Roman des Satirikers Frigyes Karinthy, der Gulliveriade „Die Reise nach Fa-Re-Mi-Do” aus, in der die Gesellschaftsformen und
Lebensweisen der irdischen Welt ironisch hinterfragt werden. Das freie Spiel des Jazz ergibt dazu unendliche Illustrations- und Interpretationsmöglichkeiten, von denen die
Musiker einen kurzweiligen Ausschnitt in technischer und künstlerischer Hochform zelebrierten.
Am 19. Mai wir das Quintett der außergewöhnlichen Sängerin und Aktionistin Beáta
Palya sich mit der Rolle der von Sprachkünstler Weöres´ erschaffenen dichtenden Wildblüte Psyché auseinander setzen. Für den 7. Juni kündigt uns der
jazzbegeisterte Organisator der Reihe, Kornél Zipernovszky, das Duo Károly Binder und Mihály Borbély in „In Illo Tempore” an, daß ebenfalls auf eine literarische Vorlage zurückgreift.
Peregrinatio academica
Die akademischen „Wallfahrten“ der ungarländischen Studenten der Neuzeit sind
Thema einer wissenschaftlichen Tagung am 24. und 25. April. Aufbauend auf eine kürzlich erschienene Buchreihe wird die jahrhundertelang führende Rolle von Wien
und Graz im kulturellen Leben der ostmitteleuropäischen region beleuchtet. Im Sinne der Traditionen dieser geistigen und kulturellen Zusammenarbeit der Länder der
Stephanskrone mit seinen Nachbarn werden an der Konferenz neben Vortragenden aus Österreich und Ungarn auch Forscher aus Kroatien, Slowakei, Rumänien uns Serbien erwartet.
(PL, CH, Fotos: CH)
Weitere Informationen auch unter: www.collegium-hungaricum.at
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