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APRIL 2006 /
KOMMENTAR
Wiener Skizzen *
Von Peter Stiegnitz
Teures Kriegsspielzeug
Uns ist nichts zu teuer. Vor allem, wenn es sich um teures, dafür ziemlich
sinnloses Kriegsspielzeug handelt. So wird im Dschungel der heimischen Innenpolitik seit längerem über den Ankauf des Flugzeugtyps „Eurofighter“
hitzig diskutiert. Wir kaufen, wir kaufen nicht; der Kaufpreis wird als Wirtschaftskompensation zurückfließen, das Geld wird sinnlos verpulvert. So
und ähnlich die kontroversiellen Standpunkte. Tatsache ist, dass die ersten sechs Flugzeuge aus Sparsamkeitsgründen nicht die volle Kampfkraft haben
werden. Auch notwendige Ausrüstungen, wie beispielsweise Zusatztanks, stehen nicht mehr im Kaufvertrag, weil uns das Geld ausgegangen ist.
Wenn wir schon Geld für unnötige Flugzeuge verschwenden, warum nicht auch
für schrottreife Jagdpanzer des Typs Jaguar? Die angekauften Gebrauchspanzer aus Deutschland wären nicht teuer gewesen, nur 1,1 Millionen Euro für
immerhin 87 Stück. Nur vergaß dabei unsere Heeresleitung, dass diese Fahrzeuge auch Munition benötigen, die wiederum 54 Millionen Euro
verschlucken. So kosteten uns die „billigen“ Jaguar insgesamt 75 Millionen Euro. Dafür sind sie hoffnungslos veraltet und „reif für den Schrott“, laut Wiener Zeitung.
Kommen die „Kummerln“?
Klein, trotzdem nicht oho. So plagen sich die heimischen Kommunisten von
einem Wahldebakel zum anderen. Mit der einzigen Ausnahme: der steiermärkische Politiker Ernest Kaltenegger ließ die Grazer Wahlurnen mit
KPÖ-Stimmen füllen. Dieser Erfolg ist ausschließlich auf seine persönliche Politik, auf seine stets werbewirksame „Bescheidenheit“ zurückzuführen.
Kaltenegger weiß, dass man sich mit den linksextremen „Kummerln“ nicht in ein gemeinsames Polit-Bett legen darf und deshalb zog er sich aus dem
Bundesparteivorstand zurück. Während die Steirer-KPÖ dank Kaltenegger 6,3 Prozent einheimste, müssen sich die Bundes-Kummerln mit mageren 0,56
Prozent begnügen. Es ist kein Wunder, dass der Grazer Vorzeige-Kommunist den neuen, zweiköpfigen KPÖ-Bundesvorstand „eine Übergangslösung“ nannte.
Seine Nichtteilnahme an der Bundesarbeit begründete Kaltenegger offenherzig und wie immer, realitätsnah: „In Wien wird über Dinge diskutiert, die nicht die
wirklichen Fragen des Lebens betreffen.“ - Wir müssen auch weiterhin kein Kommen der Kummerln befürchten.
Peinliche Populismusforscher
Ausführlich und voll daneben. So könnte man das Buch „Populisten an der
Macht“ von Susanne Frölich-Steffen und Lars Rensmann bezeichnen. In ihrem Bestreben, auch die ungarische Polit-Szene nach Rechtspopulismus zu
durchforsten, landeten die Autoren - völlig falsch - in der Fidesz-Partei, die man bestenfalls mit einer westeuropäischen christlichen Volkspartei
vergleichen kann. Dabei stolpern die Autoren über ihre eigene Populisten-Definition; diese Parteien „bekämpfen … nur das Establishment“ und
vergessen auf die schlichte Tatsache, dass die Fidesz und Parteien ihrer Bürgerlichen Allianz bereits mehrmals die Regierung stellten. Ergo: die
Regierung bekämpft sich selbst. Sinnentstellter kann man dieses Thema wohl kaum beschreiben.
* Die „Wiener Skizzen“ erschienen im PESTER LLOYD seit 1867 und nutzten ihren
leichten Plauderton für allerlei zensierliche Gedanken in einer eher konservativen Zeitung. Autoren waren unter anderem Ludwig Hevesi, Max Nordau und Felix
Salten, Ungarn, die ihr Lebensweg irgendwann nach, über oder durch Wien führte. Auch der Autor unserer neuen „Skizzen“, Peter Stiegnitz, geboren in
Budapest 1936, lebt seit 1956 in Wien und gehört somit zu diesem illustren Kreis von „Grenzgängern“. Er war unter anderem Leiter der Pressestellen verschiedener
Ministerien, ist Soziologieprofessor und Autor zahlreicher Bücher.
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