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Juni - Juli 2007 / KULTUR
60 Millionen für Schloss Eisenstadt
Das Burgenland und das "Fürstentum" Esterházy realisieren die
Generalsanierung des Schlosses Eisenstadt sowie die Erweiterung der Angebote um Gastronomie, ein Hotel und sogar ein Zeitgenössisches Museum - der Knatsch um Fürstin und Verwandtschaft tritt in den
Hintergrund
Das Land Burgenland, die Landeshauptstadt Eisenstadt und die "Esterházy
Familien-Privatstiftung" haben die „Burgenlandstiftung Schloss Esterházy Eisenstadt“ ins Leben gerufen. Diese wird eine Gesamtsanierung des
Schlosses Esterházy in Angriff nehmen, die mit insgesamt € 60 Mio zu Buche schlägt. Neben der Grundinfrastruktur, Stiegenhäusern und der
Gebäudetechnik soll bereits bis zum Haydnjahr 2009 der Haydnsaal sowie die Innenhof-Fassade saniert sein. In den Jahren 2010 und 2011 soll dann die Gesamtsanierung des Schlosses abgeschlossen werden.
Der Chef der Esterházy-Betriebe und Vorstand mehrerer fürstlicher Stiftungen Stefan
Ottrubay (li.) und der Burgenländische Landeshauptmann Niessl bei der Verkündung ihres “Jahrhundertprojektes” im Mai in Wien Foto: Burgenland
Ein Jahrhundertprojekt
Nach betont konstruktiven Verhandlungen zwischen Landeshauptmann Hans
Niessl und Kulturlandesrat Helmut Bieler als Vertreter des Landes Burgenland und Stefan Ottrubay, Geschäftsführer der Esterházy Betriebe, als Vertreter
der Familien-Privatstiftung, habe man ein gemeinsames Konzept der zukünftigen Verwaltung und Veranstaltungsbetreuung in Schloss und Orangerie gefunden. Ein „Jahrhundertprojekt“, wie man vermerkt. Dazu
wird die Esterházy-Stiftung Schloss, Schlosspark und Orangerie in die neue Burgenlandstiftung mit einer langfristigen Pachtvereinbarung einbringen, in
deren Rahmen auch wertvolle Teile des Schlosses zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dazu gehören: die grosszügigen
Flächen im Erdgeschoss in der Sala Terrena, die durch die Umsiedelung des Weingutes frei geworden sind. Weiters der Festsaal im zweiten
Obergeschoss, der die letzten 100 Jahre als Depot gedient hat. Zudem wird der sogenannte Privatpark für Veranstaltungen und Anlässe geöffnet, insbesondere auch, um die direkte Verbindung zur Orangerie zu
ermöglichen. Im Stiftungsdirektorium der zu gründenden „Burgenlandstiftung Schloss Esterházy Eisenstadt“ sind das Land Burgenland
mit 3 Vetretern, Esterhazy mit 2 Vertretern und die Stadt Eisenstadt mit 1 Vertreter präsent.
Seitens der Esterházy Betriebe ist zusätzlich die Sanierung der erweiterten
Schlossanlage, die neben dem eigentlichen Schloss auch die historischen Stallungen, ein Hotelprojekt und die Schaffung einer Galerie für
zeitgenössische Kunst umfasst, in Planung. In den Stallungen werden ein Edelrestaurant und ein Kaffeehaus einziehen, Wein- und Lebensmittelangebote werden die burgenländische und pannonische Region
kulinarisch repräsentieren. Um die hohen Sanierungskosten wirtschaftlich tragbar zu gestalten, sollen Flächen auch an Geschäfte vermietet werden,
für die dieser Standort von besonderer Bedeutung ist. Zudem werden geraden mit dem Bund, als Eigentümer des ehemaligen Klosters, Gespräche
für das Projekt des Stadthotels am Schlosspark geführt. Das Hotel soll bis 2010 verwirklicht werden. Die Planung der Erweiterung der Schlossanlage
Esterházy in Eisenstadt umfasst auch die Schaffung eines Museums der zeitgenössischen Kunst- und Kultur Mitteleuropas. Zu diesem Zweck sollen
Arbeitsgruppen einberufen werden, welche die inhaltliche Ausgestaltung des Museumskonzeptes formulieren sollen. Zur Finanzierung und zum genauen Zeitplan der Umsetzungen wurden noch keine konkreten
Vereinbarungen getroffen.
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Steht kurz vor einer Generalsanierung: Schloss Esterházy in Eisenstadt
Den Gegnern gingen die Argumente aus
Die Einigung zwischen Land und Privatstiftung ist in sofern
bemwerkenswert, da es im Zuge der Streitigkeiten um die vermeintliche "Wegschliessung" der alten Fürstin Melinda mit den Grafen Endre und
Christine Esterházy zu einigen Verstimmungen zwischen Ottrubay und Landesmitarbeitern kam, die befürchten lassen konnten, dass sich eine
fruchtbare Kooperation in der Zukunft schwierig gestalten könnte. Zwar hatten die Grafen mit einer weitgehend faktenfreien Pressekonferenz mit
dem Titel "Kein Maulkorb für Esterházy" und einem kläglichen TV-Auftritt ("Wir wollen unsere Tante besuchen") nochmals versucht Stimmung gegen
Ottrubay zu machen, doch wurden mittlerweile die angestrengten Strafanzeigen niedergelegt und es ist den Gegnern Ottrubays bisher nicht
gelungen, auch nur ansatzweise medial oder gar strafrechtlich verwertbares Material gegen diesen vorzulegen, dass den latenten Vowurf belegen
könnte, er würde gegen das Interesse der Fürstin, der Stiftungen oder das der Allgemeinheit agieren. Der Rest ist ein undurchschaubares Geflecht von
ebenso undurchschaubaren Motivationen, Beschuldigungen und Familienintrigen. Nichtzuletzt auch Kraft bewährter Beziehungsstrukturen und der beachtlichen regional-ökonomischen Macht des fürstlichen
Besitzes, hat sich im Burgenland alles soweit wieder eingeränkt, dass die gemeinsame Arbeit an der Erhaltung und wertschöpfenden Betreibung der
Kulturgüter fortgeführt werden kann. Das ist es allein, was zählt, unabhängig davon ob einem Herr Ottrubay und das Stiftungsgeflecht rund
um das gigantische Fürstenvermögen nun sympathisch oder geheuer sind.
m.s., Wien
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