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Juni - Juli 2007 / KULTUR
Haydn-Aufwand
Einen Haydn-Aufwand betreibt Österreich einmal wieder um einen
toten Musikus. Noch ist das Mozartjahr gerade ausgeklungen, da nehmen dieser Tage die Planungen zu den Feiern anlässlich des 200. Todestages des Komponisten Joseph Haydn im Jahre 2009 konkretere
Gestalt an.
Die drei Landeschefs Pröll (NÖ), Niessl (BGL), Häupl (W)
und Haydnjahrkoordinatorin Stolba (vlnr), Foto: Österreich-Werbung
Die Bundesländer Niederösterreich, wo er geboren, Burgenland, wo er am
längsten tätig war und Wien, weil es eben Wien ist, überbieten sich geradezu im Eifer darin die Rolle der Bedeutung zu betonen. Der burgenländische Landeshauptmann Niessl wies besonders auf die
Verbindungen zwischen dem Burgenland und Westungarn hin, die sich mit dem Haydn-Jahr ergeben: "Haydn machte das einstige Provinzstädtchen
Kismarton, heute Eisenstadt, und die Sommerresidenz Esterháza am Südende des Neusiedler Sees zu Zentren der Musikwelt des 18. Jahrhunderts
und wurde durch seine umjubelten Konzertreisen ins Ausland zum besten Botschafter seines Landes. Heute nimmt sich die 1987 von Adam Fischer
gegründete Österreichisch-Ungarische Haydn Philharmonie, das Orchester in residence in Eisenstadt, dieses - hierzulande lange vernachlässigten -
Erbes des Genies an. Für das Burgenland ergibt sich mit der Kooperation auf der Plattform ArGe Haydn 2009 anlässlich des Haydn-Jahres einmal mehr -
auf kultureller Ebene - die erfreuliche Gelegenheit zur Zusammenarbeit mit seinem Nachbarn Ungarn, dessen Teil diese Region einst war..."
Wie konkret oder eher symbolisch die ArGe Haydn 2009 (Budget 850.000
EUR) allerdings wirklich mit Ungarn kooperieren kann, ist völlig offen, handelt es sich ja dabei in erster Linie um ein Marketinginstrument der
beteiligten Bundesländer, also der Österreich-Werbung. Kooperationen im Grenzgebiet verlaufen entgegen der ewigen Freundschaftsbekundungen
jedoch eher zäh und punktuell, schliesslich handelt es sich ja auch um Konkurrenten in der Hotellerie und Gastronomie. Auch ein "Kulturkreis
Pannonien", eine der zahlreichen Esterházy-Stiftungen will Haydn als "über allem stehende Trademark für das Burgenland" etablieren.
Wiens Oberbürgermeister Michael Häupl packt indes gleich den ganz großen
Bogen aus und will den Österreicherinnen und Österreichern Haydn im Zusammenhang mit dem Retortenbaby 'Centrope' "erfahrbar machen", einer
sozusagen konstruierten Europaregion natürlicher Verbündeter, zu der neben den drei Bundesländern auch Teile der Slowakei und Ungarns gehören, zumindest nach Wunsch und Vorstellung der Initiatoren.
"Centrope" produziert jede Menge Papier und Heftchen, hat einen eigenen Centrope-Sound und trifft sich hier und da um Fragen, die man selbst nicht
lösen kann, zu diskutieren. Dabei lässt man vorzugsweise lauter bunte lustige Jugendliche Projekte präsentieren und freut sich über das zusammenwachsende Europa.
Freuen können sich indes die Freunde von Haydns-Musik, die wird nämlich,
ob in Wien, Rohrau oder bei den dann verlängerten Haydn-Tagen und zahlreichen Sonderkonzerten in Eisenstadt in Fülle und feinsten Besetzungen zu hören sein.
m.s.
Nähere Infos: www.haydn2009.net
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