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 Oktober 2007 / KULTUR      

 

Herbst der Spieler und Verzagten

Russischer Weltschmerz und Seelenabgründiges bestimmen das Geschehen auf den Wiener Opernbühnen im Herbst.

Das Theater an der Wien, eröffnet 1801 von Mozartfreund und Zauberflöten-Librettist Schikaneder, hat sich nach jahrzehntelanger „Entweihung“ durch Musicals, innerhalb von nichtmal zwei Jahren wieder zu einem ansehnlichen Opernhaus gemausert und wird von Kennern wegen der intimeren Akustik und den noch etwas moderateren Preisen schonmal der Staatsoper vorgezogen. Einziger Nachteil: noch viel zu wenig Aufführungen im Jahr.

Im Oktober präsentiert das Theater an der Wien ein Gastspiel des Marinskij-Theaters aus St. Petersburg mit Prokofjews Realsatire „Der Spieler“ nach Dostojewkis gleichnamiger Novelle. Der verhängnisvolle Kreisel des Roulettes als Sinnbild für den vernichtenden Strudel von Gier, Reichtum und Ruin, verpackt in aberwitzige Klangwirbel. Ein Höhepunkt des Opernhauses stellt vielleicht der „Eugen Onegin“ dar, im gleichen Haus von gleichem Ensemble und ebenfalls unter der Leitung von Valerie Gergiev. Tschaikowskis „Lyrische Szenen“ um die Gefühlskälte einer übersättigten Schicht, die zu spät die wirklichen Werte, wie auch das leidene, verzagte Herz neben sich erkennt, können nur durch Russen auf russisch verläßlich und vollständigst verschmachtet auf die Bühne gehaucht werden. (Foto: Theater an der Wien)

Ein Spieler namens Herman und der Fluch der „Drei Karten“ stehen im Mittelpunkt der nächsten großen Premiere der Wiener Staatsoper, der „Pique Dame“ . Hier halten sich die Erwartungen hinsichtlich atemberaubender Inszenierungen regelmäßig in konservativen Grenzen. Doch wenn das Haus am Ring mit dem dienstältesten Intendanten aller Zeiten etwas leisten kann, dann ist es, die besten Stimmen der Welt auf eine Bühne zu bringen.

Eine deutliche Nummer kleiner, dafür sowohl räumlich als auch thematisch näher steht uns „Das schlaue Füchslein“ von Leos Janacek, im Oktober in der Wiener Kammeroper, natürlich auch in Kammerfassung. Die Wiener Kammeroper, gegründet vom Ungarn Hans Gábor, scheint der rechte Ort für diesen „tschechischen Sommernachtstraum“, befindet es sich doch im Ballsaal eines ehemals tschechisch geführten Hotels am Wiener Fleischmarkt. Fabelwesen und fabelhafte Schwebezustände zwischen Mensch und Tier erzählen vom Lebensrad der Natur und einem traurigen Ende.

(Foto: Christoph Huszar, Kammeroper)

Theater an der Wien:
Prokofjew „Der Spieler“: 17. Oktober 2007, 19.30 Uhr
20., & 22. Oktober 2007, 19.30 Uhr
Tschaikowski „Eugen Onegin“: 19. Oktober 2007, 19.30 Uhr
23., & 25. Oktober 2007
www.theater-wien.at

Wiener Staatsoper:
Tschaikowski: „Pique Dame“, Premiere: 28.10.2007
sowie 1., 5., 9., 13. November
www.staatsoper.at

Wiener Kammeroper:
Janacek: „Das schlaue Füchslein“
11., 13., 16., 18., 20., 23., 25., 27. Oktober 2007
www.kammeroper.at

 

 

 

 

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