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NOVEMBER 2007 /
WIRTSCHAFT
Sie nennen es Luxus
Bei der Messe "Luxury, please..." feiern Alt- und Neureiche vom 22. bis
25. November in der Wiener Hofburg den Überfluß und sich selbst
Wer am kommenden Wochenende, vielleicht nach einem Bummel über die
gerade eröffnenden Weihnachtsmärkte in Wien noch Geld, Kraft und Zeit erübrigen kann, dem sei ein Besuch der Luxusmesse "Luxury, please..." in der
Wiener Hofburg empfohlen, vor allem aus rein voyeuristischen Gründen.
Auf 4.000 qm präsentieren 135 Aussteller was kein Mensch braucht, wonach
aber ein fast jeder strebt: Luxusautos, feinste Mode, Schmuck, Uhren, Porzellan, Möbel und vieles mehr. Das "Who ist who" der Edelmarken gibt sich
ein pompöses Stelldichein im mindestens ebenso pompösen Ambiente der theresianischen Luxusvilla namens Hofburg. Der Platz vor dem ehemaligen
Stadtschloss der Habsburger wird dank Maybach, Bentley, Porsche & Co. zu einem der teuersten Parkplätze der Welt. Zahlreiche Rahmenprogramme, Präsentationen und Shows feiern den Überfluss.
Krisensicheres Genre
Unabhängig von der Frage, ob Uhren für einige zehntausend Euro, eine
"Porsche-Küche", Kleider zum Preis von Kleinwagen wirklich Luxus oder nur Therapiespielzeug für Überdrüssige sind, handelt es sich beim Luxussegment
um eine völlig krisensichere Branche. Das dynamische Auseinander driften von Arm und Reich, die Neureichen aus dem Osten, die Ölscheichs aus Arabien
führen zudem zu einem stetigen Wachstum der Klientel und ihrer Kaufkraft, weitgehend unabhängig von weltwirtschaftlichen Einflüssen. Der Umstand, dass
sich Geld nicht verflüchtigen kann, nur von Zeit zu Zeit den Besitzer wechselt, macht das Genre Luxus krisenfest und die Hersteller fühlen sich wie im Paradiese.
Eigene Kundenwerbung in Osteuropa
Die Veranstalter wollen Wien als die "Luxus-Hauptstadt" Europas etablieren.
Daher holte man eine ganze Reihe von etablierten Modedesignern, Herstellern und Markengurus mit ihren bunten Vögeln nach Wien. Ein eigenes Wiener
Cluster-Label "Wien-Productions" eine Kollektion von Interieur und Accessoires, das sich im Layout vage an die Wiener Werkstätten anlehnt, freilich mehr mit
teuren, denn wirklich freien künstlerischen Ambitionen, soll Wien als Luxusstandort sichtbar und noch vermarktbarer machen. Die Verbindung
zwischen Tradition, Ambiente und der Nähe zu den neuen Reichen im Osten scheint für Wien gut geeignet, dieses Ziel zu erreichen. Die Kundschaft aus
Osteuropa ist dem Veranstalter mittlerweile so wichtig, dass man Interessenten im Sommer eigens mit einer Roadshow durch Bratislava, Prag und Budapest zu
locken suchte. Die Messe wird sich nach dem Hauptevent in Wien auch in Zagreb und Split präsentieren.
Die wichtigste Klientel aus dem näheren Osten stellen natürlich die Russen dar, die schon immer gern an die Donau kamen.
Deren Pro-Kopf-Kaufkraft ist in den letzten 5 Jahren um 65% gestiegen, in der alten Zarenstadt St. Petersburg gar um 87%. Und noch eine Zahl ist beeindruckend genug, um sich zu überlegen mit seinem
Geschäft demnächst doch eine Luxusschiene aufzulegen. Die Unternehmensberatung Capgemini schätzt in einer Studie das Vermögen aller
Millionäre dieser so armen, reichen Welt auf ca. 28,8 Billionen USD, was dem addierten Bruttosozialprodukt von Deutschland, Frankreich, Japan, Großbritannien und den USA entspricht.
Luxus, den sie meinen
Wer also über das wohl wertvollste, weil unersetzbare Luxusgut Zeit verfügt
und zudem über 29.- flüssige EUR, kann sich durch die Teilnahme an diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten ein paar Strahlen vom sterilen Glanze der in
Markenprodukte genormten Dekadenz - sie nennen es Luxus - abholen. Man kann für 29.- EUR in Wien aber auch schon hervorragend in ein altes Wiener
Wirtshaus einkehren, ein gutes Wildgulasch mit einem kräftigen Roten genießen und saulustige Gespräche führen, - Luxus eben.
Weitere Infos zu Rahmenprogrammen und Organisatorsiches unter: www.luxuryplease.com
Marco Schicker
Fotos: Luxury, please (r)
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