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FEBRUAR 2008 /
POLITIK
Guter Türke, böser Ungar
Der Bericht über die "Fremdenkriminalität" in Österreich stellt sich selbst
ad absurdum, wirft aber ein bezeichnendes Licht auf das von Kriminellen bedrängte kleine Land.
In Österreich wurden im Jahr 2006 insgesamt 589.495 strafbare Handlungen
(135.121 Verbrechen, 454.374 Vergehen) angezeigt. Das sind 2,6 % weniger als im Berichtsjahr zuvor, meldet der Innenausschuss des Parlaments im jährlichen
Sicherheitsbericht. Ein eigener Abschnitt dieser umfangreichen Statistik widmet sich der sogenannten "Fremdenkriminalität" in Österreich. Danach begingen
Bürger aus Serbien 8.748 gerichtlich strafbare Handlungen, die Deutschen 7.864. Bosnier 7.046, Türken 6.684, Rumänen 3.853, Ungarn 2.535 und Russen 2.118 Straftaten.
Über die Aussagekraft dieser Zahlen lässt sich streiten, je nachdem ob man die
Anzahl der offiziell in Österreich gemeldeten Bürger dieser Länder oder die Bewohnerzahl des Herkunftslandes ins Verhältnis zu den begangenen Straftaten
setzt. Nach erster Rechnung sind die Ex-Jugoslawen geradezu friedliche Lämmer, leben doch über 700.000 hier, die Türken wären nach der Statistik
mit ihren rund 171.000 in Österreich lebenden Bürgern jedoch ziemliche Rabauken. Andererseits fallen viele (friedliche?) Türken und Serben etc. wegen
der hohen Einbürgerungsquote aus der Statistik, was aber das Innenministerium nicht davon abhält eine rassisch getrennte Statistik zu wagen.
Die zweite Türkenbelagerung von Wien 1683
Sogar der Unterschied zwischen kriminellen Arbeitnehmern und Touristen,
sowie Schülern und Studenten wird gemacht. Was sagt uns, dass nur 73 bosnische Touristen Straftaten begangen haben, dafür aber 1.086 von
ungarischen Ausflüglern? Na, dass die Mariahilfer Strasse fest in ungarischer Hand ist, oder? Nachfragen, inwieweit man einen Menschen, der mit der
Absicht eines Ladendiebstahls in ein anderes Land reist, überhaupt als Touristen erfassen sollte, beantwortet der Bericht freilich nicht. Auffallend ist zudem
noch die Zahl von 553 deutschen Selbständigen, die in Österreich gerichtsauffällig geworden sind, während ungarische Schüler nur 39mal
vorgeladen werden mussten. Vielleicht lassen sie sich aber die magyarischen "Kraftfahrzeugentfremdern" und "Planenschlitzer" einfach nicht so schnell
erwischen wie die tollpatschigen Piefke.
Der Unfug einer Sortierung von Straftätern nach Staatsbürgerschaft nimmt
aber eigentlich nur die allgemeine Xenophobie der öffentlichen und veröffentlichten Meinung des Landes auf. So berichten die Medien über den
Ex-BAWAG-Chef und seine Helfershelfer immer nur als den Helmut Elsner, nie aber über einen Milliardenpleitier mit österreichischem Pass, während bei
jedem Unfall sofort der ungarische Pendler oder die Rumänenbande beim Einbruch vermerkt wird. Und wenn es den Medien in den Kram passt, wird aus
dem Achmed mit österreichischem Pass, sollte er gestohlen haben, sowieso wieder der wilde Anatole, während der Mehmet, der gerade einen
internationalen Managerpreis gewann, zum "Wiener aus dem 10. Bezirk" befördert wird. Bei Drogenhandel sieht man hier ohnehin immer gleich
schwarze Männer, hinter denen sich die linienziehende Schickeria bestens verstecken kann.
Marco Schicker
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