|
NOVEMBER 2008 /
GESELLSCHAFT
Ein Haydnjahr zum Preis von zweien
Die Burgenländische Doppelmonarchie zeigt sich wieder in voller Pracht
Die milliardenschweren Esterházy-Stiftungen veranstalten 2009 eine Art
Gegen-Haydnjahr. Anstatt an die Landes- und Bundesprojekte anzukoppeln, werden mit einem Budget von 2 Mio EUR zum Teil regelrechte Parallelstrukturen aufgebaut, auch wenn hier und da von Kooperation
gesprochen wird. Das Publikum kann von dieser kreativen Konkurrenz vorerst profitieren, langfristig ergibt sich für die touristische Entwicklung der
geschichtsträchtigen Kulturhochburg Eisenstadt jedoch Konfliktpotenzial.
Zwei Fürstenhöfe streiten sich um Schloss Eisenstadt, so jedenfalls stellt sich für den Beobachter das Angebot der nunmehr zwei
Haydnjahre in Burgenland dar. Die Kommunikation zwischen Land und Fürstenstiftungen scheint seit Jahren recht gestört, wozu Allmachtsphantasien auf beiden Seiten, ungeklärte Finanzierungen
für überfällige Sanierungen aber auch handfeste Meinungsunterschiede bei der Entwicklung von Schloss und Umgebung beigetragen haben.
Es geht um das liebe Geld, die Vormachtstellung bei der Vermarktung der
Marke Esterházy nebst Eisenstadt, die nun einmal nicht trennbar sind. Die Sache läuft meist so ab: Esterházy hat einen Plan, z.B. die Restaurierung von
alten Stallungen oder die Schaffung eines Museums für moderne Kunst in Schlossnähe und will dafür Finanzmittel vom Land. Dieses verlangt Mitsprache
und Abänderungen, vorauf Esterházy sich schmollend zurückzieht, die Dinge - dann meist etwas verkleinert - sebst durchzieht und mit dem Finger auf die
trägen Politiker zeigen kann. Erb- und Landesfürstentum lassen sich eben nicht so leicht vereinen.
Explosive Haydn-Mischung
Auf einer Pressekonferenz in der Wiener Hofburg zeigte sich die
Burgenländische Doppelmonarchie wieder einmal in vollster Blüte. Verkündete doch der Chef der Esterházy-Betriebe und Verwalter des Vermögens der Fürstin
Melinda Esterházy, Stefan Ottrubay, seine Aktivitäten, die Haydn als das zentrale Marketingelement für die Zukunft der Hofhaltung und -erhaltung in
der burgenländischen Hauptstadt installieren. Während das Land eine eher konventionelle Ausstellung zu Leben und Werk vorbereitet, die zudem von
Leihgaben des Fürstenhauses abhängig ist, wird Esterházy eine "Haydn-Explosiv"-Mischung als interaktive Schau zusammenmirühren.
Das landesfinanzierte Haydnfestival / Haydntage, das unter Kennern zu den
profiliertesten Musikfestivals der Region gehört, bekommt Konkurrenz durch ein Quartettfestival, organisiert von Alja Batthyány-Végh (Tochter des
berühmten Dirigenten Sándor Végh), dass auch nach 2009 Bestand haben soll. Auch die Haydn-Oper, der eine anhaltende Renaissance prognostiziert ist, soll
fürstenseitig neuen Glanz im Schloss (mit seinem wunderbaren Haydn-Saal) und Open Air erfahren. Unter Leitung des Musikwissenschaftlers Gernot Gruber wird
sich ein Symposium mit dem heutigen Haydnbild und den Potentialen seiner Musik im heutigen Klassikbetrieb befassen (vielleicht kommt darin ja auch
dieses Scharmützel zur Sprache). Der Jazzgitarrist und Komponist Wolfgang Muthspiel wird sich in einer Neuproduktion mit der Kammermusik des großen
Klassikers vernetzen. Auch das offizielle Haydnjahr, eine Koproduktion zwischen Bund und den Ländern Wien, Niederösterreich und Burgenland hat
einen internationalen Wettbewerb der Neutöner ausgeschrieben, die sich Haydn zu dedicaten haben.
Einer Zusammenarbeit mit ungarischer Seite wurde auf unsere Nachfrage hin
wenig Chancen eingeräumt, obwohl sich diese ja mit dem ungarischen Esterháza programmatisch anböte. Ottrubay bemerkte dazu, nicht
überraschend, dass man zwar seit Jahren im Gespräch mit diversen kulturellen und touristischen Behörden der Nachbarn sei, sich aber kaum Konkretes
ergebe.Schade, aber wahr. Esterháza verfügt kaum über eine passende Infrastruktur. Die Anfahrtswege befinden sich noch ungefähr auf dem Niveau
der Zeit der Erbauung, auch Übernachtungen und der Minimusiksaal sowie der Gesamtzustand machen Ungarn´s Haydn schlicht nicht salon- sprich vermarktungsfähig.
M.S.
Weitere Infos: www.esterhazy.at
|