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FEBRUAR 2007 / KULTUR 26.03.2007
Küss die Hand, oder leck sie...
Nach dem jubilierenden, sich selbst feiernden Mozartjahr kehrt man nun in
die normale Wiener Morbidität zurück. Die ganze Welt ist eine Bühne und alles - nur kein Mozart, so präsentieren sich dieses Jahr die unter Kennern so geschätzten Wiener Festwochen.
„Bei uns geht's nicht um falsche Hoffnungen, sondern wir machen auf vielfache
Art auf das rasch vergehende Leben aufmerksam - und unterhalten." Der „Homo ludens - der spielende Mensch" steht, laut Intendant Luc Bondy im Zentrum der
Konzeption, worauf dieser sich freut über Wien als die Stadt „...mit hohem Potenzial, wo ein Festival das andere wegschiebt". 41 Produktionen aus 20
Ländern werden gezeigt, en Budget von 14 Mio EUR steht den Machern zur Verfügung. Prduktionen von Zadek, Castorf und allen massgeblichen Bewegern
deutschsprachigen Theaters ebenso wie Experimentelles, Unverschämtes, Nachdenkliches aus allen menschlichen und künstlerischen Himmelsrichtungen bis hin zum kulturellen "Streetworking".
Großer Andrang bei der Festwochen-Eröffnung 2006
Als „Labor der Moderne" tituliert der Musikchef der Wiener Festwochen das
spartanische diesjährige Musiktheaterangebot der Wiener Festwochen, die vom 9. Mai bis 22. Juni stattfinden werden. Der im vergangenen Jahr mit Mozarts
Cosí fan tutte gefeierte Regisseur Patrice Chereau wird in einer Koproduktion mit Aix-en-Provence und der Mailänder Scala Janáčeks „Aus einem Totenhaus"
im Theater an der Wien inszenieren. Dazu gibt es noch eine Musiktheater-Installation von Ulrich Rasche „This Is Not A Love Song" im
Jugendstiltheater. Das ausführliche Programm ist unter www.festwochen.at einsehbar, wo auch Karten bestellt werden können.
Das Plakat-Sujet zeigt uns in diesem Jahr einen Jüngling in Handkusspose mit
rausgestreckter Zunge. Letztes Jahr verdrehten Mozart und Freud abwechselnd die Augen auf Wiens Strassen, im Jahr davor verärgerte man mit der Darstellung
eines beisswütigen Köters die Tierfreunde. Das ist die hier geduldte Art Minimal-Provokation im größten Ballsaal Europas, sie spiegelt auch im
ungefähren die Gratwanderung der Festwochen zwischen Etabliertem und Progressivem. Mehr ist nicht erlaubt, weniger aber auch nicht erwünscht. Immerhin.
MS, Wien
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