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Die Österreich-Seiten des PESTER LLOYD

 FEBRUAR 2007 / GLOSSE 26.03.2007

 

Wiener Leut´

Die Kotfrage und das Dosenproseccoproblem
 

Zwei Döschen im Dreivierteltakt

Nachdem sich in Wien nach dreimonatigem Zieren der Braut eine Regierung angefunden hat, herrscht allgemeine Erleichterung, denn nun kann man sich endlich wieder den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden. Der Ballsaison. In diesem Jahr wird Paris Hilton den Durchschnitts-IQ der Lugner-Loge beim Opernball am 15. Februar auf Raumtemperatur stabilisieren. Sie ist Werbeträgerin für einen ebenso goldigen wie blechernen Dosen-Prosecco. Den darf sie, trotz der zwillingsartigen Ähnlichkeit, aber nicht auf dem Ball präsentieren, weil die Fa. Kattus das Monopol für den Ausschank von Sprudelweinen hat. Hoffen wir, dass man sie nicht als Blechdose an der Tür schon abweisen wird. Nun darf sie, eine Art pragmatische Sanktion, eine Autogrammstunde halten und sich, pardon, die Dosen signieren. Der kauzige Operndirektor Hollender will als Fiaker mit einem echten Gaul einreiten, doch sorgt man sich, dass das Tier gestresst reagieren und so eine Gefahr für Besucher und Parkettsauberkeit darstellen könnte. Die "Kotfrage" sei nämlich längst noch nicht geklärt. Der Tierschutz protestiert, wahrscheinlich protestieren auch wieder ein paar Studenten vor der Oper, gegen Studiengebühren und Pelze.

Ballsaison: Die Zeit der Masken und Verkleidungen. Die originellste Kostümierung hat in diesem Jahr unbestritten der Chef der FPÖ, HC Strache aufzuweisen, kam der doch auf den originellen Einfall, einmal als Demokrat aufzutanzen. Man hatte schon Zweifel, nachdem von "Kameraden" Fotos in Umlauf gesetzt worden sind, die den 18jährigen bei "harmlosen Paintballspielen" (Strache über sich, "ich war halt a wilder Hund"), die antifaschistische Hexenjäger (Hundefänger?) als "wehrsportähnliche Aktivitäten" auslegten. Nun ja, Paintballpistolen waren auf den Fotos zwar keine zu sehen, dafür ein Schlagstock, eine deutsche (!) Fahne an der Uniform und ein Koppel von dem manche vermuten, es sei ein Wehrmachtsgürtel. Doch die emphatische Erklärung, er sei durch und durch Demokrat, genügte sogar dem sozialdemokratischen Bundeskanzler. Man solle dem Jungen doch bitte "keinen Strick" drehen wegen einer solchen Jugenddummheit. Stimmt, denn andere küssten einst den Moskauer Boden und dürfen jetzt trotzdem Österreich regieren, da soll man mal nicht so sein. Die FPÖ-Europaabgeordneten haben sich indes mit Monsieur Le Pen, Mussolinis Enkelin und einigen Zigeunerjägern aus Bulgarien zu einer eigenen Fraktion zusammengeschlossen. Im Vergleich dazu ist Strache wirklich ein glühender Demokrat, legitimiert durch mittlerweile selbstverständlich gewordene parlamentarische Zusammenarbeit seitens der ewig blinden Sozis.

"Auch wenn es nicht durchgeht, wohlfühlen wird es sich in der ungewohnten Umgebung sicher nicht", meinte ein Tierschützer, das Opernball-Pferd betreffend, könnte aber auch für Gusi als Kanzler oder Strache als Demokrat gelten.

ms.

 

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